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Leitfaden für die Abwicklung eines Architekturfotoauftrages
Definition der Anforderungen
Der Umfang des Auftrages (Außen-/Innenaufnahmen, Details, wichtige Materialien und Standpunkte, verschiedene Lichtstimmungen, Dämmerungs-/Nachtaufnahmen etc.) und die Art der Nutzung müssen zuerst festgelegt werden.
Eine klare Definition erleichtert die Kostenschätzung und hilft darüber hinaus die Anforderungen an die Fotos und damit auch an die Fotografin/den Fotografen zu bestimmen.
Aufnahme- und Fertigstellungstermin sollten bekannt sein.
Auswahl einer Fotografin/eines Fotografen
Die Anforderungen an die Fotos und die spezifische Sichtweise einer Fotografin/eines Fotografen bestimmen wesentlich die Wahl. Viele Fotografinnen und Fotografen bieten zusätzliche Leistungen im Bereich der Weiterverarbeitung und Verbreitung der Fotos an, aber auch die Spezialisierung auf bestimmte Bereiche innerhalb der Architekturfotografie kann ein Auswahlkriterium sein.
Die Fotografie spielt in der Vermittlung von Architektur eine entscheidende Rolle, die Wahl der richtigen (Bild-)Sprache kommuniziert die Ideen visuell. Die Qualität der Fotos repräsentiert die Qualität der Architektur.

Die Mitglieder der IG-Architekturfotografie finden sie unter mitglieder.
Kosten
Für die Erstellung eines Kostenvoranschlags sollte eine Auftragsbeschreibung (s. Definition der Anforderungen) vorliegen und geklärt sein, wer die Fotos, wofür, wie lange nutzen will.
Der Aufwand für professionelle Architekturfotografie setzt sich im Wesentlichen aus folgenden Teilen zusammen:

Arbeitshonorar
Die Produktionskosten werden in erster Linie durch den gesamten Zeitaufwand für die Durchführung eines Auftrages bestimmt. Man unterscheidet 3 Phasen:
- pre-production
- production
- post-production

Die pre-production umfasst unter anderem: Besprechung des Auftrages, Besichtigung, Terminvereinbarung und Vorbereitungen am Aufnahmeort. Sorgfältige Planung durch den Auftraggeber und gut funktionierende Kommunikation zwischen Auftraggeber, Fotograf und Eigentümern/Benutzern des Gebäudes ermöglichen maximale Produktivität vor Ort. Schlechte Bedingungen behindern das Fotografieren. So entstehen weniger und/oder schlechtere Fotos und Mehrkosten durch einen höheren Zeitaufwand.

Die wichtigsten Fragen sind:
- Ist das Objekt auch wirklich fertig bzw. in einem Zustand, der ein sinnvolles Fotografieren zulässt?
- Ist der Zutritt zum Objekt (innen und außen) über die gesamte Dauer der Aufnahmen möglich und sind alle Beteiligten (Eigentümer/Mieter, Sicherheitsdienste, Wartungs- und Reinigungspersonal etc.) über Dauer und Umfang der Fotoaufnahmen informiert?
- Wird eine Fotogenehmigung benötigt?
- Funktioniert die gesamte Beleuchtungsanlage?
- Ist ein Zugriff auf Lichtsteuerung und Steuerung der Verdunklung/des Sonnenschutzes möglich?
- Sind Umbau- oder Wartungsarbeiten (innen und außen) geplant?

Eine detaillierte (englische) Checkliste zur optimalen Vorbereitung finden Sie unter www.asmp.org/commerce/apsgcklst.php.

Die production umfasst das eigentliche Fotografieren inklusive der An- und Abreisezeiten.

Unter post-production versteht man die Weiterverarbeitung des Bildmaterials bestehend aus Laborarbeiten, Bildauswahl und -versand, Archivierung etc.

Viele Fotografinnen und Fotografen verrechnen auf der Basis von Tageshonoraren. Die Anzahl der Bilder, die im Laufe eines Tages entstehen können, hängt sehr von der individuellen Arbeitsweise und den Arbeitsbedingungen ab. Die klimatischen Verhältnisse spielen hier eine nicht zu vernachlässigende Rolle.
Übliche Tageshonorare für Architekturfotografie bewegen sich zwischen € 800,- bis € 1500,- netto.

Materialkosten
Darunter fallen Film- und Laborkosten. Diese hängen wesentlich vom verwendeten Filmformat ab.
Auch digital fotografierte Bilder sind mit dem Druck auf den Auslöser keinesfalls fertig, sondern müssen gespeichert, konvertiert, ausgewählt, staubretuschiert, bearbeitet und für den Versand aufbereitet werden. Hier wird üblicherweise eine Bearbeitungsgebühr pro Bild verrechnet.

Spesen
Die Mitarbeit einer Assistentin/eines Assistenten erhöht die Produktivität ganz wesentlich. Reisekosten, Hotel, Miete für zusätzliches Equipment und ähnliche Ausgaben werden hier verrechnet.

Weiterverarbeitung
Die Art der Verwendung der Fotos bestimmt das Aufnahmematerial und die Weiterverarbeitung. Ob mehrere Quadratmeter große Vergrößerung oder kleines Bild auf der Homepage macht hier einen großen Unterschied. Viele Architekturfotos haben, im Gegensatz zu Werbefotos, ein langes Leben. Qualitätsreserven können hier nicht schaden.
War das klassische Weitergabemedium der letzten Jahrzehnte das Diaduplikat, so wird es nun rasant abgelöst vom hochwertigen(!) Scan. Die digitale Datenweitergabe hat aber auch ihre Tücken. Hier ist vor allem Kommunikation zwischen dem Fotografen, dem Auftraggeber und jenen, die die Bilder weiterverarbeiten, gefragt.

Viele Fotografinnen und Fotografen unterstützen ihre Auftraggeber durch ihre Kontakte zu Zeitschriften und Verlagen. Online-Bildarchive erleichtern die Auswahl und Übermittlung von Architekturbildern.

Lizenzgebühren (Honorar für die Bildnutzung)
reflektieren den Wert eines Fotos, abhängig von Art, Umfang und Dauer der Nutzung. Je umfangreicher die geplante Nutzung der Fotos, desto höher die Gebühren.
Beispiel:
Eine übliche Vereinbarung zwischen einem Architekten als Auftraggeber und der Fotografin/dem Fotografen beinhaltet die Nutzung der Fotos durch den Architekten, nicht jedoch die Weitergabe an bzw. Verwendung durch Dritte. Der Architekt darf die Fotos verwenden für Präsentationen, Vorträge, seine Homepage etc.
Sollen die Fotos an Dritte weitergegeben werden, ist der Fotograf zu informieren und sein Einverständis einzuholen.

Beteiligen sich mehrere Auftraggeber an den Kosten eines Fotoauftrages, muss für jeden der Auftraggeber die beabsichtigte Nutzung definiert werden. Die Lizenzgebühren für die Beteiligten richten sich nach Art, Umfang und Dauer der jeweiligen Nutzung.

Klare Vereinbarungen, die von allen Beteiligten auch verstanden werden, vermeiden nachträgliche Forderungen und rechtliche Auseinandersetzungen und müssen vor Beginn der Aufnahmen getroffen werden. (siehe Urheberrecht)
Technisches
Grundsätzlich kann Architektur natürlich mit jeder Kamera fotografiert werden. Ob Kleinbildkamera mit hochempfindlichem Farbfilm aus der Hand oder Großformat-Lochkamera mit SW-Film vom Stativ ist letztlich eine Frage des persönlichen Stils.
Das klassische Werkzeug der Architekturfotografie ist die Großformatkamera mit ihren Möglichkeiten der Verstellbarkeit zum Ausgleich stürzender Linien und der Beeinflussung der Perspektive. Abhängig vom Verwendungszweck können aber auch kleinere Formate (Mittelformat und Kleinbild) zum Einsatz kommen.
Die Wahl des Werkzeuges und der persönliche Stil einer Fotografin/eines Fotografen beeinflussen einander in spannender Art und Weise.
Die Digitalfotografie spielt in der Architekturfotografie zurzeit noch eine untergeordnete Rolle. Die mangelnde Weitwinkeltauglichkeit an einer verstellbaren Kamera und andere technische Einschränkungen sind neben Fragen der Archivierbarkeit die Gründe für die weitere Anwendung der analogen Architekturfotografie. Die Weiterverarbeitung und Weitergabe erfolgt aber bereits zu einem großen Teil in digitaler Form.

Die American Society of Media Photographers (ASMP) stellt auf Ihrer Homepage die Broschüre Working with an Architectural Photographer www.asmp.org/commerce/comm_arch.php zur Verfügung.
Projekt
Museum Liner, Appenzell, CH
ArchitektInnen
Gigon + Guyer Architekten
Foto
Ignacio Martínez
 
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